Dispatching

Im Betrieb steht Sicherheit immer an erster Stelle. Der wichtigste Faktor dabei sind die sogenannten Nominierungen, also die Vorgaben, wie viel Erdgas in Portowaja in die Pipeline eingespeist und wie viel in Lubmin entnommen werden soll. Die Mitarbeiter im Hauptkontrollraum (Dispatcher) überwachen die eingespeiste und die entnommene Gasmenge, den Druck und die Temperatur. Sie beurteilen, ob alle Werte innerhalb der Auslegungsparameter für einen sicheren Betrieb der Pipeline liegen. Sensoren stellen in Echtzeit die Messwerte der Pipelines sowie Hinweise auf mögliche Probleme auf einer Videowand im Hauptkontrollzentrum dar. An wichtigen Punkten in den Anlandestationen sind hochsensible Sicherheitssensoren installiert, um frühzeitig vor austretendem Gas, Flammen, Rauch oder Hitze zu warnen.

Um den sicheren Betrieb der Pipelines zu gewährleisten, stehen die Dispatcher im ständigen Kontakt mit dem Erdgaslieferanten Gazprom Export und den vor- und nachgelagerten Netzbetreibern. Nord Stream überwacht den jeweils aktuellen Betriebsstatus und die Nominierung. Falls es die Sicherheit für den Betrieb erfordert, schlagen die Dispatcher den vor- und nachgelagerten Netzbetreibern eine Anpassung der Parameter (also von Durchflussrate, Druck und Temperatur) vor. Und im Bedarfsfall können die Ventile an beiden Enden der Pipeline vom Kontrollzentrum aus sehr schnell geschlossen werden.

Sichere Betriebsbedingungen sind das oberste Ziel beim Gastransport. Die Transportnominierung legt fest, wie viel Erdgas in Russland eingespeist und wie viel in Deutschland entnommen werden soll. Die Gazprom-Tochter Gazprom Export, der größte Erdgasexporteur der Welt, legt die Nominierungen für Nord Stream in der Leitzentrale in Berlin fest. Von hier aus steuert Gazprom das nach Mitteleuropa transportierte Gas und informiert Nord Stream darüber, welche Gasmengen in die Pipelines eingespeist und welche entnommen werden sollen. Nord Stream erhält eine wöchentliche Nominierung, die in Tage unterteilt ist, sowie eine tägliche, die in Stunden unterteilt ist. Die geplante Entnahmemenge hängt von der Nachfrage der europäischen Vertragspartner von Gazprom Export, öffentlichen Versorgern, regionalen Gaslieferanten, Industrieunternehmen und Kraftwerken, ab. Das durch das Pipelinesystem transportierte Erdgas erreicht über das europäische Gasnetz Verbraucher in Belgien, Dänemark, Frankreich, den Niederlanden, Großbritannien sowie anderen Ländern.

Die Nominierungen werden über ein eigenes Kommunikationssystem an das Hauptkontrollzentrum in Zug übermittelt. Dort überprüfen die Dispatcher, ob die Nominierungen im vertraglichen Rahmen liegen und physikalisch erfüllt werden können, d.h. das angeforderte Volumen sicher transportiert werden kann. An einem Tag könnten beispielsweise 27 Millionen Kubikmeter Gas in Russland eingespeist und 36,7 Millionen Kubikmeter in Deutschland entnommen werden. Es ist durchaus üblich, dass die beiden Zahlen voneinander abweichen, also die Nominierung für den Einspeisepunkt nicht mit der für den Entnahmepunkt übereinstimmt. Die Pipelines können so beispielsweise als Gasspeicher unter Wasser dienen, der je nach Kundenanforderungen gefüllt oder geleert werden kann. Das Pipeline-System kann flexibel reguliert werden, solange der Gasdruck bestimmte Grenzwerte nicht über- oder unterschreitet.

Die Nord Stream-Dispatcher überprüfen, ob die Nominierungen physikalisch erfüllt werden können. Sie gleichen den jeweils aktuellen Betriebsstatus und die Nominierung ab, um zu beurteilen, ob die angeforderte Menge Erdgas sicher durch die Pipelines transportiert werden kann. Der Betriebsdruck muss immer innerhalb der Sicherheitsparameter bleiben. Wenn die Nachfrage bei den europäischen Erdgasempfängern steigt, können die Durchflussrate und der Einspeisedruck bis zu einem Maximalwert von 220 bar erhöht werden.

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