Hinter den Kulissen: Vom Rohr zur Pipeline
Der Bau der Nord Stream-Pipeline ist technisch höchst anspruchsvoll. Eine komplizierte Logistikkette bindet Zulieferer und Auftragnehmer in der ganzen Welt mit ein. Das Projekt besteht aus zwei nahezu parallel verlaufenden Pipelinesträngen durch die Ostsee.
Bau der ersten Pipeline pünktlich abgeschlossen
Im Auftrag von Nord Stream haben Subunternehmer im April 2010 mit dem Bau des ersten 1.224 Kilometer langen Pipelinestrangs begonnen und diesen im Juni 2011 fertig gestellt. Nach ausgiebigen Drucktests und weiteren vorbetrieblichen Maßnahmen Mitte November 2011, wurde die erste Pipeline in Betrieb genommen.. Der Bau des parallel verlaufenden zweiten Leitungsstrangs begann im Mai 2011. Er soll planmäßig im letzten Quartal 2012 in Betrieb genommen werden. Jede der beiden Erdgasleitungen hat eine Transportkapazität von rund 27,5 Milliarden Kubikmetern Erdgas pro Jahr.
Ende 2012 werden beide Pipelinestränge in Betrieb sein. Zusammen werden sie in der Lage sein bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr zu transportieren.
Ein maßgeschneiderter Plan für die Ostsee
Beide Stränge der Nord Stream-Pipeline werden in drei Abschnitten verlegt. Analog zur Richtung des Gasflusses variieren die Wandstärken der drei Pipelineabschnitte, da sich das Druckniveau des Gases auf dem Weg durch die Pipeline verringert. Die Rohrwandstärke ist somit am Beginn der Pipeline in Portovaya Bay in Russland am größten und an der Anlandestelle in Greifswald am geringsten.
Jeder der beiden Leitungsstränge setzt sich aus etwa 100.000 Rohren zusammen. Die fünf Zwischenlagerplätze entlang des Pipeline-Streckenverlaufs versorgen die Verlegeschiffe laufend mit betonummantelten Rohren. Die Schiffe gehören dem von Nord Stream mit der Verlegung beauftragten Unternehmen Saipem und dessen Subunternehmer Allseas. Im Jahr 2010 wurden insgesamt drei Schiffe an verschiedenen Abschnitten der Trasse eingesetzt. Mitte des Jahres 2011 waren zwei Verlegeschiffe im Einsatz. Ab Mitte 2011 bis zum Ende des dritten Quartals 2012 wird Saipems Castoro Sei den zweiten Pipelinestrang fertigstellen.
Der Bau der Pipeline war und ist zeitlich so angesetzt, dass die Auswirkungen auf die Umwelt minimiert werden, so dass etwa die Paarungszeit von Seehunden oder die Laichzeit von Fischen nicht gestört wird.
Verlegung der Pipeline durch drei Verlegeschiffe
Für den Bau der Pipeline hat Saipem drei Verlegeschiffe bereitgestellt, zwei davon für spezielle Anforderungsprofile. So ist die Castoro Dieci von Saipem für den Einsatz in flachen Gewässern konzipiert und wurde für die Arbeiten im Greifswalder Bodden eingesetzt. Zwischen Juni 2010 und Oktober 2010 hat das Schiff 28 Kilometer beider Pipelinestränge verlegt. Die Solitaire von Allseas – das größte Verlegeschiff der Welt – war von September 2010 bis August 2011 für den Bau eines Teilstücks von 342,5 Kilometern jeder Pipeline im Einsatz. Rund 70 Prozent oder 853,5 Kilometer beider Pipelinestränge werden von der Castoro Sei, einem weiteren Verlegeschiff der Firma Saipem, verlegt. Sie hat im April 2010 die Arbeit am ersten Pipelinestrang aufgenommen und im Mai 2011 beendet. Mit ihrem hochflexiblen Positionierungssystem war die Castoro Sei das ideale Verlegeschiff, um die Arbeiten an der vielbefahrenen Küste von Finnland durchzuführen. Im Juni 2011 hat die Castoro Sei dann mit der Verlegung des zweiten Pipelinestrangs begonnen.
Schwimmende Fabriken
Vor dem Verlegen der Pipeline wird der Meeresgrund mit einem Tauchroboter (ROV – Remotely Operated Vehicle) untersucht, um die Sicherheit bei den Arbeiten zu gewährleisten und die in der umfassenden Planungsphase gesammelten Daten zu bestätigen. An bestimmten Stellen sind Aufschüttungen von Gestein und grobem Kies nötig, um ein stabiles Fundament für die Pipeline zu schaffen. Der Kies wird von speziellen Schiffen zu den betreffenden Stellen transportiert und dort platziert. Die Verlegeschiffe sind die eigentlichen Pipeline-Fabriken: In verschiedenen Arbeitsschritten werden die Rohre an Bord unter anderem abgeschrägt, verschweißt, überprüft und anschließend auf den Meeresboden abgesenkt. Um die Einhaltung der maßgeblichen Qualitäts-, Sicherheits- und Gesundheitsstandards zu garantieren, ist für jeden Arbeitsschritt das genaue Vorgehen definiert. Nach der Verlegung wird die korrekte Position der Pipeline erneut mit dem Tauchroboter überprüft. Nach Abschluss der Bauarbeiten werden die drei Abschnitte der Pipeline mit Wasser geflutet und einer Druckprüfung unterzogen. Anschließend werden sie unter Wasser aneinander geschweißt. Sobald die Pipeline zusammengefügt ist, wird das Wasser abgelassen, anschließend wird sie getrocknet und mit Stickstoff gefüllt und erst dann wird das Erdgas sicher eingeleitet.
Das Verschweißen der drei Pipelineabschnitte erfolgt genau an den Stellen, an denen sich das Druckniveau in der Pipeline verändert. Die Verbindung der drei Abschnitte des ersten Strangs wurde im Juni 2011 abgeschlossen. Die Überprüfung des zweiten Pipelinestrangs ist für das Frühjahr 2012 geplant, die Schweißarbeiten am Meeresboden für Sommer 2012.
Der Transport von Erdgas durch die erste Pipeline hat im November 2011 begonnen. Ein Jahr später werden beide Pipelinestränge in Betrieb sein. Zusammen werden sie in der Lage sein bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr zu transportieren.
