Erdgas: Ein wichtiger Bestandteil des Energiemix
Der wachsende Energiebedarf hat in Europa eine Debatte über den optimalen Energiemix ausgelöst. Die Europäische Union versucht, ihre für das Jahr 2020 gesteckten "20/20/20-Ziele" zu erreichen, d.h. die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 gegenüber dem Niveau von 1990 um 20 Prozent zu reduzieren.
Erdgas ist der sauberste fossile Energieträger mit den geringsten CO2-Emissionen. Im Ergebnis ist der Kohlendioxid-Ausstoß bei der Stromerzeugung mit Gas gegenüber Kohle um 50 Prozent geringer. Eine im August 2010 von Greenpeace veröffentlichte Studie unterstreicht, dass die Nutzung von Erdgas die einzig praktikable Brücke zur Ära der erneuerbaren Energien darstellt.
Erdgas hilft, dem Klimawandel zu begegnen
Experten und Analysten haben Kosten, Machbarkeit und mögliche Umweltauswirkungen verschiedener Energiemix-Optionen verglichen – dazu zählten Erdgas, Öl, Wasserkraft, Atomkraft und erneuerbare Energien wie Biokraftstoffe, Wind und Solarenergie. Jede dieser Energiequellen hat eigene praktische und ökonomische Eigenschaften. Öl produziert etwa 25 Prozent mehr Emissionen als Gas. Zudem ist Gas effizienter: 55 Milliarden Kubikmeter Gas – die Menge, die die Nord Stream-Pipeline jedes Jahr transportieren wird – entsprechen 50 Millionen Tonnen Öl oder über 280 Öltankern, die jedes Jahr die Ostsee durchqueren müssten.
Kohle produziert doppelt so viel CO2 wie Erdgas. So genannte saubere Kohletechnologien gibt es zwar, die Kosten für diese Technik sind jedoch untragbar. Außerdem muss Europa die Kohleimporte bereits steigern, um seinen ständig steigenden Energiebedarf decken zu können. Wenn an Stelle von Kohle Gas für die Stromproduktion Europas genutzt würde, könnten die CO2-Emissionen um 207 Millionen Tonnen im Jahr gesenkt werden. Das ist mehr als momentan von Schweden, Finnland, Dänemark und den Baltischen Staaten zusammen emittiert wird. Würden die von Nord Stream jährlich transportierten 55 Milliarden Kubikmeter Gas an Stelle von Kohle zur Stromerzeugung genutzt, wäre die EU in der Lage, ihre CO2-Emissionen um mehr als 112 Millionen Tonnen im Jahr zu senken.
Die Kernkraft wurde einmal als die richtige Antwort auf die weltweit begrenzten Energievorräte gesehen, jedoch wurden viele Fragen zur Sicherheit der Technologie und der Endlagerung des radioaktiven Abfalls nie endgültig gelöst. Die durch die Nord Stream-Pipeline generierte Energie entspricht in etwa einer Größenordnung von 33 neuen Atomkraftwerken, deren Bau etwa 100 Milliarden Euro kosten würde. Laut den Angaben des US Nuclear Energy Institute würden diese Kraftwerke jedes Jahr ca. 660 Tonnen radioaktiven Abfall produzieren.
Gas als Übergangstechnologie
Erdgas kann, Seite an Seite mit anderen Energiequellen wie zum Beispiel den erneuerbaren Energien, völlig flexibel in der Stromerzeugung genutzt werden. Damit die EU ihre "20/20/20-Ziele" erreichen kann, wird Gas neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien wie Windkraft, Solarenergie und Wasserkraft eine wichtige Rolle spielen. Da es noch einige Jahre dauern wird, bis die EU auf eine sichere alternative Energieversorgung zurückgreifen kann, wird Nord Stream entscheidend dazu beitragen, den wachsenden Energiebedarf der Region zu decken.
Aufgrund der deutlich positiveren Klimabilanz gegenüber anderen fossilen Energieträgern wird Erdgas von vielen Umweltschutzorganisationen als wichtiger Bestandteil einer Übergangsphase angesehen. Laut der von Greenpeace veröffentlichten Studie "Energy [R]evolution – a Sustainable World Energy Outlook" wird es zunächst bei der Stromerzeugung zu einem Ersatz der fossilen Brennstoffe durch erneuerbare Energien kommen. In einem zweiten Schritt bis zum Jahr 2070 würden dann erneuerbare Energien für über 93 Prozent der Stromerzeugung sorgen, wobei die verbliebenen Gas-Kraftwerke als Ersatz und Reserve dienen können.
Nord Stream ist nicht die einzige geplante Import-Gas-Pipeline für Europa. Aber das Nord Stream-Projekt ist momentan am weitesten fortgeschritten. Die Verlegung des ersten Leitungsstrangs ist beendet und die zweite Pipeline befindet sich in der Bauphase. Keine andere bedeutende Pipeline mit einer jährlichen Kapazität von mehr als 10 Milliarden Kubikmetern Gas wird vor 2015 in Betrieb gehen. Der zweite Leitungsstrang wird im dritten Quartal 2012 fertiggestellt sein. Im letzten Quartal desselben Jahres wird auch der zweite Strang in der Lage sein Gas zu transportieren. Nach der kompletten Inbetriebnahme wird die Pipeline jährlich bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Gas transportieren können.
Nord Stream wird mit Gas aus dem gesamten russischen Gasnetz versorgt. Das Juschno-Russkoje Gasfeld in Westsibirien (Russland), ist eine der Hauptquellen, mit der Nord Stream versorgt wird. Die jährliche Gas-Produktionskapazität des Juschno-Russkoje Gasfeldes beträgt rund 25 Mil-liarden Kubikmeter. Die Erschließung des Feldes wurde von Severneftegazprom durchgeführt, einem Gemeinschaftsprojekt zwischen Gazprom, E. ON Ruhrgas und Wintershall. Durch die Verbindung der großen Gasreserven in Russland mit dem europäischen Gasnetz, wird Nord Stream in der Lage sein den Energiebedarf von mehr als 26 Millionen Haushalten decken zu können. Darüber hinaus wird das privat fi-nanzierte Nord Stream-Projekt Europa mit der dringend benötigten Energie versorgen, ohne die europäischen Steuerzahler finanziell zu belasten.
