Vom Rohr zur Pipeline

Der Bau der Nord Stream-Pipeline war technisch höchst anspruchsvoll. Eine komplizierte Logistikkette hat Zulieferer und Auftragnehmer in der ganzen Welt mit eingebunden. Das Projekt besteht aus zwei nahezu parallel verlaufenden Pipelinesträngen durch die Ostsee.

Erst nachdem das Design und die Route der Pipelines festgelegt war und alle Konstruktions- und Umweltgenehmigungen eingeholt waren, konnte der Bau der beiden Leitungen beginnen.

Im April 2010 begannen die von Nord Stream beauftragten Unternehmen mit dem Bau der ersten von zwei 1.224 Kilometer langen Erdgasleitungen. Dieser Moment war nur eines von vielen Teilen des komplexen Konstruktions- und Logistikpuzzles, welches sich unter anderem zusammensetzt aus dem Herstellen der Rohre, deren Betonummantelung sowie dem Bereitstellen der genauen Anzahl an Rohrstücken am richtigen Ort und zur richtigen Zeit, um den Bau nahtlos für 30 Monate am Laufen zu halten.

Ein maßgeschneiderter Plan für die Ostsee

Beide Stränge der Nord Stream-Pipeline wurden in drei Abschnitten verlegt. Analog zur Richtung des Gasflusses variieren die Wandstärken der drei Pipelineabschnitte, da sich das Druckniveau des Gases auf dem Weg durch die Pipeline verringert. Die Rohrwandstärke ist somit am Beginn der Pipeline in Portovaya Bay in Russland am größten und an der Anlandestelle in Greifswald am geringsten.

Jeder der beiden Leitungsstränge setzt sich aus etwa 100.000 Rohren zusammen. Fünf Zwischenlagerplätze entlang des Pipeline-Streckenverlaufs versorgten die Verlegeschiffe laufend mit betonummantelten Rohren. Die Schiffe gehören dem von Nord Stream mit der Verlegung beauftragten Unternehmen Saipem und dessen Subunternehmer Allseas. Im Jahr 2010 wurden insgesamt drei Schiffe an verschiedenen Abschnitten der Trasse eingesetzt. Mitte des Jahres 2011 waren zwei Verlegeschiffe im Einsatz. Ab Mitte 2011 bis zum Ende des dritten Quartals 2012 verlegte Saipems Castoro Sei den zweiten Pipelinestrang.

Der Bau der Pipeline war zeitlich so angesetzt, dass die Auswirkungen auf die Umwelt minimiert wurden, so dass etwa die Paarungszeit von Seehunden oder die Laichzeit von Fischen nicht gestört wurde.

Verlegung der Pipeline durch drei Verlegeschiffe

Für den Bau der Pipeline stellte Saipem drei Verlegeschiffe bereit, zwei davon für spezielle Anforderungsprofile. So ist die Castoro Dieci von Saipem für den Einsatz in flachen Gewässern konzipiert und wurde für die Arbeiten im Greifswalder Bodden eingesetzt. Zwischen Juni 2010 und Oktober 2010 hat das Schiff 28 Kilometer beider Pipelinestränge verlegt. Die Solitaire von Allseas – das größte Verlegeschiff der Welt – war von September 2010 bis August 2011 für den Bau eines Teilstücks von 342,5 Kilometern jeder Pipeline im Einsatz. Rund 70 Prozent oder 853,5 Kilometer beider Pipelinestränge wurden von der Castoro Sei, einem weiteren Verlegeschiff der Firma Saipem, verlegt. Sie hat im April 2010 die Arbeit am ersten Pipelinestrang aufgenommen und im Mai 2011 beendet. Mit ihrem hochflexiblen Positionierungssystem war die Castoro Sei das ideale Verlegeschiff, um die Arbeiten an der vielbefahrenen Küste von Finnland durchzuführen. Im Juni 2011 hat die Castoro Sei dann mit der Verlegung des zweiten Pipelinestrangs begonnen und im April 2012 erfolgreich beendet.

Schwimmende Fabriken

Vor dem Verlegen der Pipeline wurde der Meeresgrund mit einem Tauchroboter (ROV – Remotely Operated Vehicle) untersucht, um die Sicherheit bei den Arbeiten zu gewährleisten und die in der umfassenden Planungsphase gesammelten Daten zu bestätigen. An bestimmten Stellen waren Aufschüttungen von Gestein und grobem Kies nötig, um ein stabiles Fundament für die Pipeline zu schaffen. Der Kies wurde von speziellen Schiffen zu den betreffenden Stellen transportiert und dort platziert. Die Verlegeschiffe waren die eigentlichen Pipeline-Fabriken: In verschiedenen Arbeitsschritten wurden die Rohre an Bord abgeschrägt, verschweißt, überprüft und anschließend auf den Meeresboden abgesenkt. Um die Einhaltung der maßgeblichen Qualitäts-, Sicherheits- und Gesundheitsstandards zu garantieren, war für jeden Arbeitsschritt das genaue Vorgehen definiert. Nach der Verlegung wurde die korrekte Position der Pipeline erneut mit dem Tauchroboter überprüft. Nach Abschluss der Bauarbeiten wurden die drei Abschnitte der Pipeline mit Wasser geflutet und einer Druckprüfung unterzogen. Anschließend wurden sie unter Wasser aneinander geschweißt. Sobald die Pipeline zusammengefügt war, wurde das Wasser abgelassen, anschließend wurde sie getrocknet und mit Stickstoff gefüllt und erst dann das Erdgas sicher eingeleitet.

Das Verschweißen der drei Pipelineabschnitte erfolgte genau an den Stellen, an denen sich das Druckniveau in der Pipeline verändert. Die Verbindung der drei Abschnitte der beiden Pipelinestränge wurden im Juni 2011 beziehungsweise im August 2012 abgeschlossen.

Die Experten von Nord Stream haben den Bau und die Logistik genau koordiniert und überwacht, sodass die Pipelines innerhalb des Budgets und des Zeitplans gebaut wurden und einsatzbereit waren.

Der erste Strang wurde im Juni 2011 fertiggestellt, der Gastransport begann Mitte November 2011. Der Bau der zweiten Leitung startet im Mai 2011 und die Pipeline wurde im Oktober 2012 in Betrieb genommen.

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